Schulgeschichte
Die Geschichte der Großglattbacher Schule
| spätestens 1580 | Es gibt die erste Schule in Großglattbach. Der erste Lehrer hieß Andreas Leichtermut. Er wohnte in einer Wohnung in der Schule und wurde auch mit Lebensmitteln bezahlt. |
| 1587 | Eltern wurden ermahnt, ihre Kinder im Sommer wenigstens am Sonntag, an Feiertagen und an Regentagen in die Schule zu schicken. |
| 18. Jahrhundert | Kinder müssen an zwei bis drei Tagen zur Schule kommen, ansonsten droht eine Geldstrafe |
| 1821 | Erstes Großglattbacher Schulhaus neben der Petrikirche. es gibt zwei Schulsäle, einen Schulmeister und einen Lehrergehilfen. |
| 1827 | Das Gebäude brennt teilweise ab und muss neu hergerichtet werden. |
| Ende 19. Jahrhundert | Eine siebenjährige Schulpflicht (7-14 Jahre ) wird eingeführt und außerdem vier Jahre Sonntagsschulpflicht. In Großglattbach gibt es zwei Schulklassen, jeweils vier Jahrgänge werden gemeinsam unterrichtet. |
| 1. Mai 1919 | Lehrerin Bergmann aus Straßburg unterrichtet als erste Lehrerin in Großglattbach |
| 1940 | Die erste Zentralheizung wird im Schulhaus eingebaut. |
| 1947 | Planung für ein neues Schulhaus, da der Platz im alten Schulhaus nicht mehr ausreicht. |
| 1954 | Beginn des Baus des neuen Schulhauses. Das Schulhaus wird am Platz des ehemaligen Armenhauses errichtet. Viele Großglattbacher beteiligen sich am Bau. |
| 1957 | Das neue Schulhaus wird fertiggestellt. |
| ab 1967 | Nur die Grundschule bleibt in Großglattbach, ab Klasse 5 gehen die Kinder nach Roßwag oder Vaihingen/ Enz. |
| ab 1974/75 | Die Grundschule in Großglattbach wird geschlossen – die Grundschüler müssen mit dem Bus nach Lomersheim fahren und dort die Wendlerschule besuchen. |
| ab 1986/87 | Großglattbacher Grundschüler werden wieder in Großglattbach unterrichtet. |
| 2025 | Nach etlichen Jahren der Jahrgangsmischung in 2-3 Klassen, gibt es wieder genug Schülerinnen und Schüler für vier Klassen. Der Unterricht findet im „neuen“ Schulhaus statt, im „alten“ Schulhaus sind die Kernzeitbetreuung, das Rathaus, die Kinderbibliothek und das Vereinszimmer |
Zeitzeugen erzählen
Rudi Weidner erzählt:
Ich wurde 1964 eingeschult. eine Lehrerin hieß Frau Stahl. Es gab vier Klassen im neuen Schulhaus. Der Sportunterricht fand im Klassenzimmer unten, das den Ausgang zum Garten hat, statt. die TSV Halle gab es ja noch nicht. Bei schönem Wetter gingen wir auf den Sportplatz. Es gab auch schon Bundesjugendspiele und geschrieben wurde mit Füller. Die Toiletten waren damals noch hinter dem alten Schulhaus.
Alfred Schäfer erzählt:
Ich war bis 1945 in Glabbich in der Schule. Im April ging die Front durch Glabbich, deshalb war im April kaum Schule, im Mai gar nicht. Die Kinder mussten ihre Hausaufgaben alleine am Küchentisch machen, die Eltern waren mittags auf dem Feld, abends im Stall. Im alten Schulhaus gab es zwei Klassenzimmer, rechts war die Unterklasse ( Kl.1-4), rechts die Oberklasse (Kl.5-8). Der Lehrer der Oberklasse, Herr Gerstenbrei, war sehr streng. Es gab Tatzen und Hosenspanner zur Bestrafung. Jeweils vier Kinder teilten sich eine Schulbank. Ich habe noch die Sütterlin Schrift gelernt. Geschrieben wurde mit dem Griffel auf einer Schiefertafel. Schüler mussten damals viel helfen, z.B. auch Kartoffelkäfer sammeln. Nach dem Krieg gab es für unterernährte Kinder in der Schule Kaba und Brötchen, die von den Amerikanern gebracht wurden.
Walter Schäfer erzählt:
Ich habe meine ersten Schläge bereits am ersten Schultag bekommen, weil ich zu spät zur Einschulung kam. Wir Kinder mussten mittags auf dem Feld helfen und im Herbst Tabak auffädeln. Hausaufgaben mussten dann abends erledigt werden, oder man machte sie nicht und bekam dann meistens Ärger. Bei der Entnazifizierung wurden die Schüler zu ihrem Lehrer Herr Gerstenbrei befragt. Da er ihnen selbst beigebracht hatte, dass man ehrlich sein muss, erzählten sie die Wahrheit über ihren schrecklichen Lehrer. Herr Gerstenbrei durfte zuerst nicht mehr unterrichten, dann war er an einer Schule in Flacht und starb kurz danach.
Martin Haug erzählt:
Anbei ein Bild meiner Einschulung 1965. Die Klassenlehrerin hieß Frau Stahl und wohnte in Lomersheim. Hinten 2.v.r. Hubert Dihlmann, davor ich, Martin Haug.
Was ich aus meiner Grundschulzeit noch weiß:
Als wir in der ersten Klasse waren, haben wir in unserem Klassenzimmer (das Richtung Süden) jeden morgen mit Bewegung gesungen:
Rinke, ranke, Rosenschein,
lieber Morgen, komm herein!
Alle unsre Fensterlein
Sollen dir geöffnet sein,
alle unsre Herzen.
Allgemeine Regeln:
Im Vorraum hatte jeder seine Filz-Pantoffel, in die man mit den Schuhen reinschlüpfen konnte. Das war die Regel. Der Parkett war daher damals immer blitzeblank.
Der Schulleiter hies Herr Jähne. Er war für rechnen zuständig. Er hat uns das EinmalEins gelehrt, und hat immer die Frage/Aufgaben in die Klasse gerufen. Wer es wusste konnte sich melden, wenns richtig war, durfte er nach Hause gehen, bis nur noch die da waren, die es nicht geblickt haben. Mit denen hat er dann geochst. Da war der Schulschluss dann für mich oft sehr früh, aber es war letztlich hocheffektives Lernen.
Paul Boehringer erzählt:
Am Ende des Schultages haben wir mit unserer Lehrerin folgendes Gebet gesprochen:
Bleib bei uns mit deinem Wort,
mit deiner Gnad und Segen
auf allen unsren Wegen
behüt sie Gott Frau Lehrerin.
Auch als es schon eine Zentralheizung an der Schule gab, müssten die Schüler diese mit Kohle füllen.
Rudolf Burkhard erzählt:
Ich bin 1939 eingeschult worden. Damals hatte man noch keine Heizung, da musste man noch Kohle in die Schule bringen für die Lehrerin. Die Klos waren hinten an der Mauer, da gab es bis 1955 kein Wasser. Der Kindergarten war in der Petrikirche, auch dort gab es keine Heizung und kein Wasser. Wo heute das neue Schulhaus steht, war das Armenhaus. als die Hitlerjugend in die Petrikirche einzog, wurde der Kindergarten ins Armenhaus verlegt. Um das Jahr 1940 wurde in der Schule eine Zentralheizung eingebaut. Es gab keinen Sportunterricht. Der Religionsunterricht wurde vom Pfarrer in der Sonntagsschule erteilt. In der Schule haben alle das Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ gelernt, das war das einzige religiöse Lied, das gelehrt wurde. 1943 ging eine Schülerin in den Laden in der Oberen Gasse und traf auf den Lehrer Herr Gerstenbrei. Sie sagte nicht „Heil Hitler“ zu ihm. Am nächsten Morgen mussten sich alle Schüler im Ritterweg aufstellen- die Schülerin musste an der Reihe entlanglaufen und zu jedem „Heil Hitler“ sagen.
Beim Bau des neuen Schulhauses habe ich mitgeholfen, die Steine stammen alle aus dem Großglattbacher Steinbruch an der heutigen Buswendeplatte.